Wichtige Erkenntnisse
1. Systemische Inkompetenz und Bürokratie des BND
In Pullach waren damals alle abgetaucht und für den Berlin-Job nicht verfügbar.
Frühe Inkompetenz. Die "Operation Black Foot" zur Überwachung des Abzugs russischer Atomsprengköpfe offenbarte früh die systemische Inkompetenz des BND. Die Zentrale in Pullach zeigte kaum Interesse und verweigerte Unterstützung, was die Berliner Außenstelle 12YA in eine prekäre Lage brachte. Die Amerikaner mussten sogar grundlegende Ausrüstung und Personal bereitstellen, da der BND nicht in der Lage war, dies selbst zu organisieren.
Bürokratische Absurditäten. Der Alltag war geprägt von absurden bürokratischen Hürden und mangelnder Entscheidungsfreude. Beispiele hierfür waren:
- Die Weigerung, US-Spezialisten einzusetzen, während eigenes Personal fehlte.
- Die Unfähigkeit, ein einfaches Wohnmobil zu beschaffen, was die Amerikaner mit 100.000 Dollar lösten.
- Die Blockade von Informationen durch die Pullacher Auswertung unter dem Vorwand des Quellenschutzes.
Verwaltung statt Nachrichtendienst. Der Autor beschreibt den BND oft als "Nachrichtenverwaltung" statt als Nachrichtendienst. Diese interne Kritik zog sich durch seine gesamte Dienstzeit, von der sinnlosen Postkontrolle in Hannover bis zur mangelnden Unterstützung operativer Einheiten. Die Führungsebene schien mehr an Selbstdarstellung und internen Machtspielen interessiert zu sein als an effektiver Aufklärungsarbeit.
2. Mangelnde Fürsorge und Verrat an Quellen
Man liebte zwar den Verrat, verachtete aber den Verräter.
Verantwortungsloser Umgang. Der BND zeigte einen eklatanten Mangel an Fürsorge und Verantwortung gegenüber seinen menschlichen Quellen. Trotz des hohen Risikos, das diese Informanten in ihren Heimatländern eingingen, wurden ihre Sicherheit und ihr Wohlergehen oft ignoriert oder sogar aktiv gefährdet. Dies führte zu tiefgreifender Enttäuschung bei den Verbindungsführern.
Gefährdung durch Indiskretion. Die Identitäten von Quellen wurden durch interne Indiskretionen und bürokratische Fehler gefährdet. Ein Beispiel ist die "Stay Behind"-Operation, deren Quellen der DDR-Staatssicherheit bekannt waren, aber vom BND dennoch weitergeführt wurden. Auch die falsche Registrierung von "Rübezahl" führte zur Verhaftung eines Unschuldigen.
Vertrauensbruch und Konsequenzen. Der Autor und sein Partner Freddy mussten feststellen, dass Versprechen bezüglich Diskretion und Schutz gebrochen wurden. Die Offenlegung ihrer Namen im "Fall Wulf" vor Gericht und die Bedrohung der Familie des Autors sind gravierende Beispiele für diesen Vertrauensbruch, der letztlich zur Kündigung führte.
3. Ambivalente Partnerschaft mit US-Diensten
Die Amerikaner waren – im Gegensatz zu unseren eigenen Leuten – immer hochkonzentriert und neugierig.
Abhängigkeit und Überwachung. Die Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Militärgeheimdienst DIA in Berlin war von einer tiefen Ambivalenz geprägt. Einerseits war der BND auf die technische und personelle Unterstützung der Amerikaner angewiesen, andererseits wurden die deutschen Partner von der DIA systematisch überwacht und abgehört. Dies zeigte sich unter anderem durch Wanzen in den BND-Büros.
Informationsungleichgewicht. Die Amerikaner behielten einen Großteil der durch die deutschen Agenten beschafften Informationen für sich. Nur ein Bruchteil der ausgewerteten Dokumente wurde an den BND zurückgegeben, was zu einem erheblichen Informationsungleichgewicht führte. Dies wurde durch den "Lackmus-Test" des Autors und Freddys eindeutig belegt.
Versuch der Überwerbung. Die DIA versuchte aktiv, BND-Quellen zu überwerben und bot dafür finanzielle Anreize und Reisen in die USA an. Dies untergrub das Vertrauen und zwang die deutschen Agenten, ihre Quellen noch stärker vor den eigenen Partnern zu schützen. Die Amerikaner spielten nach ihren eigenen Regeln, oft zum Nachteil des BND.
4. Interne Machtkämpfe und Intrigen
Ab einer bestimmten Führungsebene ging es hier nicht mehr vorrangig um die Sache, sondern nur noch um den persönlichen Vorteil.
Karriere statt Kompetenz. Innerhalb des BND, insbesondere in der Führungsebene, dominierten persönliche Ambitionen und Intrigen die eigentliche nachrichtendienstliche Arbeit. Der Autor erlebte, wie Vorgesetzte wie Dr. Herle und Volker Foertsch ihre Positionen nutzten, um persönliche Fehden auszutragen und unliebsame Mitarbeiter zu diskreditieren.
Schikanen und Denunziation. Der Autor und Freddy wurden Ziel von Schikanen und Denunziationen, insbesondere nach ihrer Beschwerde beim Präsidenten. Herle initiierte wiederholt Untersuchungen wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten und versuchte, ihre Glaubwürdigkeit zu untergraben. Dies gipfelte in der Weitergabe sensibler Quellendaten an das Bayerische Landeskriminalamt.
Verwandtschaftliche Verstrickungen. Die internen Konflikte wurden durch verwandtschaftliche Beziehungen innerhalb der BND-Führungsebene verstärkt, wie die Verbindung zwischen Dr. Herle und Abteilungsleiter Foertsch. Dies schuf ein Klima des Misstrauens und der Ungerechtigkeit, in dem loyale und effektive Mitarbeiter wie der Autor und Freddy systematisch behindert wurden.
5. Die ethische Zwickmühle der Geheimdienstarbeit
Ich habe in meinem dienstlichen Alltag den demokratischen Rechtsstaat nicht mehr wiedererkennen können.
Verletzung von Grundrechten. Die anfängliche Tätigkeit des Autors bei der Postkontrolle in Hannover offenbarte eine eklatante Verletzung des Postgeheimnisses. Wahllos wurden Briefe von DDR-Bürgern geöffnet und gelesen, oft ohne strategischen Wert, was den Autor zutiefst desillusionierte und ihn an der Rechtmäßigkeit seiner Arbeit zweifeln ließ.
Mangelnde Transparenz und Kontrolle. Die BND-Praktiken, wie die massenhafte Postkontrolle unter dem Deckmantel von G-10-Ermächtigungen, zeigten eine mangelnde Transparenz und Kontrolle. Die Rechtfertigung dieser Maßnahmen durch den "Kalten Krieg" wurde vom Autor als fadenscheinig empfunden, da die gewonnenen Informationen oft banal und irrelevant waren.
Gewissenskonflikte der Agenten. Der Autor und seine Kollegen litten unter den ethischen Dilemmata ihrer Arbeit. Die Diskrepanz zwischen dem Ideal eines demokratischen Nachrichtendienstes und der erlebten Realität führte zu inneren Konflikten und dem Gefühl, für ein System zu arbeiten, das seine eigenen Werte verriet. Dies verstärkte den Wunsch nach einer sinnvollen und ethisch vertretbaren Tätigkeit.
6. Das Scheitern des "Stay Behind"-Netzwerks
Der DDR-Staatssicherheit waren schon lange alle >Stay Behind<-Quellen bekannt.
Verraten und überholt. Das geheime NATO-"Stay Behind"-Netzwerk, auch "Gladio" genannt, war ein Relikt des Kalten Krieges, das im Ernstfall nie funktioniert hätte. Die erschütternde Erkenntnis, dass die DDR-Staatssicherheit die Quellen des BND-Netzwerks bereits kannte, wurde den Verbindungsführern vorenthalten, was die Sicherheit der Agenten massiv gefährdete.
Fahrlässige Reaktivierung. Trotz des bekannten Verrats genehmigte der BND die erneute Anmeldung und Führung dieser "Stay Behind"-Mitarbeiter als Beschaffungshelfer. Diese fahrlässige Entscheidung setzte die Quellen erneut einem hohen Risiko aus und zeigte die mangelnde Wertschätzung des BND für das Leben und die Sicherheit seiner Informanten.
Demontage und Desillusionierung. Die Auflösung von "Stay Behind" Ende 1990 führte zu großer Unruhe und Zukunftsängsten unter den Mitarbeitern. Die Demontage der mühsam aufgebauten Strukturen, gepaart mit der Erkenntnis ihrer Kompromittierung, trug zur weiteren Desillusionierung des Autors und seiner Kollegen bei.
7. Die Jagd nach dem Maulwurf im BND
Dieser Bundesnachrichtendienst war zu jener Zeit löchrig wie ein Schweizer Käse.
Anhaltende Hinweise. Über Jahre hinweg sammelten der Autor und Freddy immer konkretere Hinweise auf einen hochrangigen Maulwurf innerhalb des BND, der Informationen an russische Dienste weitergab. Diese "Sorbas-Materialien" wurden von Topquellen wie "Rübezahl" geliefert und deuteten auf eine tiefe Infiltration des Dienstes hin.
Verdacht gegen Foertsch. Der Verdacht konzentrierte sich schließlich auf Volker Foertsch, den damaligen Abteilungsleiter 5. Seine ungewöhnlichen Reaktionen auf die Informationen, seine Versuche, Untersuchungen zu behindern, und seine verwandtschaftlichen Beziehungen zu Dr. Herle verstärkten die Annahme, dass er der Verräter sein könnte.
Interne Blockade und externe Hilfe. Die BND-Führung, insbesondere Präsident Geiger, reagierte zögerlich und unwillig auf die schwerwiegenden Anschuldigungen. Dies zwang die Sicherheitsabteilung, externe Hilfe vom Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) in Anspruch zu nehmen, um die Ermittlungen voranzutreiben und die interne Blockade zu überwinden.
8. Persönliche Opfer und tiefe Enttäuschung
Ich spürte das tiefe Misstrauen, das auf Grund [der] Kampagne gegen mich entstanden ist.
Psychische Belastung. Die ständigen internen Anfeindungen, die Bedrohung der Familie des Autors und die mangelnde Unterstützung durch die BND-Führung führten zu einer enormen psychischen Belastung. Der Autor und Freddy litten unter dem Druck, ihre Arbeit unter chaotischen Bedingungen zu verrichten und gleichzeitig ihre Quellen und sich selbst zu schützen.
Gesundheitliche Folgen. Die extreme Belastung hatte auch gesundheitliche Folgen. Der Autor und Freddy suchten ärztliche Hilfe auf, wobei ein ehemaliger BND-Oberfeldarzt ihren kritischen Gesundheitszustand feststellte und dringend zu psychologischer Behandlung riet. Dies unterstrich die zerstörerische Wirkung des internen Klimas.
Verlorenes Vertrauen. Das Vertrauen in den BND war für den Autor und Freddy unwiederbringlich zerstört. Die Diskrepanz zwischen dem geleisteten Engagement und der erfahrenen Undankbarkeit, gepaart mit der Erkenntnis systemischer Mängel, führte zur endgültigen Entscheidung, den Dienst zu verlassen.
9. Kreative Lösungen gegen bürokratische Hürden
Manchmal muss man eben die Menschen zu ihrem Glück zwingen, dachte ich mir.
Autonome Arbeitsweise. Angesichts der bürokratischen Hemmnisse und der mangelnden Unterstützung durch die BND-Zentrale entwickelten der Autor und Freddy eine weitgehend autonome Arbeitsweise. Sie schufen eigene Regeln und Strategien, um ihre operativen Ziele zu erreichen und ihre Quellen effektiv zu führen, oft unter Umgehung offizieller Dienstwege.
Die "Legendenfirma". Die Gründung des "Handelskontors Hamburg" als Legendenfirma war ein Paradebeispiel für diese kreative Problemlösung. Sie ermöglichte es, eine professionelle Infrastruktur für die Quellenführung aufzubauen, ohne sich den bürokratischen und sicherheitstechnischen Risiken der BND-Zentrale auszusetzen.
Unkonventionelle Beschaffung. Auch bei der Beschaffung sensibler Güter, wie des Freund-Feind-Erkennungssystems C55 Patrol, zeigten sich die unkonventionellen Methoden des Autors. Er nutzte persönliche Kontakte und bluffte, um das Gerät zu einem Bruchteil des erwarteten Preises zu erhalten, während die BND-Bürokratie versagte.
10. Der Showdown im Bundeskanzleramt
Ich bin Ihnen sehr dankbar dafür, dass Sie zu mir gekommen sind. Natürlich muss ich alles, was Sie mir erzählt haben, erst noch eingehend überprüfen. Aber schon jetzt kann ich Ihnen sagen, dass das Konsequenzen haben wird.
Direkte Konfrontation. Nach seiner Kündigung suchte der Autor das direkte Gespräch mit BND-Präsident Konrad Porzner, um die systemischen Missstände und die Intrigen innerhalb des Dienstes offenzulegen. Dieses mutige Vorgehen, das er als Erfüllung seines Treueschwurs sah, führte zu einem persönlichen Treffen im Bundeskanzleramt.
Präsident reagiert. Porzner, ein Seiteneinsteiger aus der Politik, zeigte sich betroffen und versprach Konsequenzen. Er erkannte die Ernsthaftigkeit der Lage und ordnete erste Maßnahmen an, wie die Erklärung des Wohnorts des Autors zum Dienstort, um ihm administrative Erleichterungen zu verschaffen.
Widerstand der Führungsebene. Trotz der Anweisungen des Präsidenten stieß der Autor weiterhin auf Widerstand und Schikanen von Seiten seiner direkten Vorgesetzten, insbesondere Dr. Herle. Dies zeigte die tief verwurzelten Probleme und die Macht der internen Seilschaften, die selbst Anordnungen von höchster Stelle zu untergraben versuchten.
11. Die Zerstörung wertvoller Quellen
Die Quelle >Eulenspiegel< entwickelte sich prächtig. Nach einem halben Jahr interessierten sich nicht nur die Auswerter der Abteilung 3 für ihn, sondern auch die Spürnasen bei der Beschaffung (Abteilung 1).
Topquellen unter Beschuss. Quellen wie "Münchhausen" und "Eulenspiegel" lieferten dem BND erstklassige und sensationelle Informationen, die den Dienst weltweit an die Spitze der militärischen Aufklärung katapultierten. Doch gerade dieser Erfolg machte sie zur Zielscheibe interner Machtkämpfe und Intrigen.
Fahrlässige Übergabe und Abwerbeversuche. Die BND-Führung versuchte wiederholt, diese wertvollen Quellen hinter dem Rücken des Autors abzuwerben oder an andere, inkompetente Verbindungsführer zu übergeben. Diese Versuche, wie im Fall von "Eulenspiegel" durch Schuster, waren von mangelnder Professionalität und einem tiefen Misstrauen gegenüber den Quellen geprägt.
Verlust durch Inkompetenz. Letztlich führte die Kombination aus interner Inkompetenz, Misstrauen und dem Drang, die Quellen zu kontrollieren oder für eigene Zwecke zu nutzen, zur Zerstörung dieser wertvollen Verbindungen. "Eulenspiegel" wurde aufgrund des unprofessionellen Umgangs abgeschaltet, was einen immensen Verlust für die deutsche Nachrichtendienstlandschaft darstellte.
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